Stadtnachrichten

Geländebegehung im Rahmen des Managementplans


Am Samstag, den 9. November 2013 fand eine öffentliche Geländebegehung im Rahmen des Managementplans für das FFH-Gebiet „Weidfelder bei Gersbach und an der Wehra“ auf Gersbacher Gemarkung statt.

Das Regierungspräsidium Freiburg, Referat Naturschutz und Landschaftspflege, hat zu diesem Termin eingeladen, um die Kartierung und deren Methodik vorzustellen und mit  einzelnen Bewirtschafter vor Ort zu besprechen. Neben Vertretern der Unteren Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörde sowie Vertretern des Amtes für Flurneuordnung nahmen die Ortsverwaltung und zahlreiche Landbewirtschafter an der Geländebegehung teil.

Auf Gemarkung Gersbach werden ca. zwei Drittel der ausgewiesenen Offenlandlebensraumtypfläche als Borstgrasrasen und ein Drittel als Mähwiesen, größtenteils Bergmähwiesen, angesprochen.
Die Gutachterin vom Büro IFÖ, Bad Krozingen, die im Rahmen des Managementplanes die Erhebungen durchgeführt hat, stellte die drei Grünland-Lebensraumtypen „Bergmähwiesen“, „Magere Flachland-Mähwiesen“ und „Artenreiche Borstgrasrasen“ anhand von Beispielen vor. Alle drei Lebensraumtypen zeichnen sich durch eine extensive Nutzung aus und sind im Land Baden-Württemberg vor allem aufgrund von Nutzungsintensivierun-gen in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Deshalb hat Baden-Württemberg für die Erhaltung der Berg- und Flachlandmähwiesen aufgrund des hohen Gefährdungsgrads eine besondere Verantwortung.

Um den Unterschied zu dem Wirtschaftsgrünland zu zeigen, welches nicht den Kriterien der FFH-Richtlinie entspricht und damit „nicht gemeinte“ Flächen sind, wurde auch eine in-tensiver genutzte Grünland-Fläche begangen.
Die Ausweisung als Lebensraumtyp erfolgt aufgrund der Artenzusammensetzung und an-hand von bestimmten Zeigerarten, die den jeweiligen Lebensraumtyp charakterisieren. Die Vertreterin des Regierungspräsidiums Regina Biss erläuterte, dass im FFH-Gebiet nur die „gemeinten“ Fläche, also die als Lebensraumtyp kartierten Flächen unter Schutz stehen und dem Verschlechterungsverbot unterliegen.
Auf verschiedenen Flächen wurde mit den Bewirtschaftern über die Art der Nutzung und die Intensität der Düngung diskutiert und auch auf die Nutzungsgeschichte eingegangen.

Zwei Landwirte machten konkret vom Angebot des Regierungspräsidiums Gebrauch und ließen sich vor Ort detailliert über die Kartierergebnisse ihrer Flächen informieren:
Bei der ersten Fläche handelt es sich um eine mit Pferden beweidete Bergmähwiese, die früher auch als Mähwiese genutzt wurde, jetzt aber nur noch beweidet wird. Diese Fläche könnte durch extensivere Beweidung mit Weidepflege oder durch eine Mahd in ihrem Artenreichtum verbessert werden.
Die zweite Fläche war 2004 noch eine Bergmähwiese und kann jetzt nicht mehr als Lebensraumtyp eingestuft werden. Hier wurde die Bewirtschaftung vor einigen Jahren geän-dert. Die intensivere Nutzung v.a. die regelmäßige Ausbringung von Gülle hat dazu geführt, dass die charakteristischen Arten verschwanden.

Im Rahmen des derzeit laufenden Flurneuordnungverfahrens kann lt. Herrn Klünder vom Amt für Flurneuordnung versucht werden, über Flächentausch und Zuteilung von Flächen eine naturschutzfachliche Aufwertung und ggfls. Wiederherstellung von verschlechterten Mähwiesen bzw. Borstgrasrasen zu erreichen. Denkbar ist auch, andere Flächen, die das Potential eines Lebensraumtyps haben, zu diesen zu entwickeln. Regierungspräsidium, Untere Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörde beim Landratsamt Lörrach sowie das Amt für Flurneuordnung sind bemüht in enger Zusammenarbeit machbare und für die Bewirtschafter praktikable Lösungen zu erarbeiten.

Um mit den Bewirtschaftern und der Gemeinde Gersbach in Kontakt zu bleiben, bot die Untere Naturschutzbehörde, vertreten durch Herrn Huber, eine weitere Geländebegehung im Frühling 2014 an, wo die blumenbunten Aspekte der Lebensraumtypen deutlicher zu erkennen sind.

Die Kartierergebnisse werden, sobald sie digital vorliegen, auch auf der Internetseite des Regierungspräsidiums einzusehen sein.