Stadtnachrichten

„Das hat Dynamik entwickelt“


Bericht vom Markgräfler Tagblatt,14.11.2019

"Das hat Dynamik ausgelöst und uns auch geholfen“, bestätigte Bürgermeister Dirk Harscher, als ihm die Initiatoren der Aktion – Magdalene Blessing, Georg Friedrich Schröder und Dagmar Fuchs – einen Packen mit den Unterschriften von rund 3000 Bürgern überreichten, die sich damit für ein MVZ stark machten.

Bürgermeister Dirk Harscher, Magdalene Blessing, Dagmar Fuchs, Georg Friedrich Schröder bei der Übergabe der 3000 Unterschriften für ein MVZ

„Die Wirkung ist unbestreitbar“, urteilte auch Dagmar Fuchs. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) sei mit Bekanntwerden der Aktion jedenfalls plötzlich tätig geworden. Diesen Eindruck teilte auch Georg Friedrich Schröder, dessen Aufruf in den Tagezeitungen ebenfalls eine Reaktion seitens der KV provozierte. Die drei Initiatoren der Petition sahen denn auch kein Problem darin, die Unterschriften erst gestern zu überreichen – einen Tag nachdem bekannt wurde, dass ein neues MVZ die Versorgung von rund 5000 Patienten sicher stellen soll. Ganz im Gegenteil: „Wir wollen damit der Bevölkerung Dank sagen für die Unterstützung, auch durch Leserbriefe“, betonte Magdalene Blessing. Die Petition solle zudem die Stadt bestärken, mit Vehemenz eine bessere Lösung zu suchen. Denn das MVZ in den Räumen ihrer jetzigen Praxis in Fahrnau stelle nur ein „Notpflaster“ dar. Das Stadtoberhaupt sah dies genau so. Die jetzige Regelung sei keine endgültige, sondern nur „ein zartes Pflänzchen“. Als nächstes gehe es darum, geeignetere Räume für das MVZ zu finden. Als endgültiges Ziel schwebe ihm ein „Ärztehaus“ in zentraler Lage vor, so Harscher.

Die Ärzteversorgung in Schopfheim war gestern auch fernab des Rathauses ein Thema – in der Hauptstadt Berlin nämlich. Denn mit dem neuen MVZ ist es auch nach Auffassung von Marianne Merschhemke und Jürgen Fremd indes nicht getan. Die beiden Grünen-Stadträte wandten sich deshalb in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, in dem sie auf die grundsätzlichen „Missstände“ bei der Bedarfsberechnung für die hausärztliche Versorgung im Wiesental hinweisen.
Jürgen Fremd wollte den Brief gestern in Berlin dem Minister persönlich überreichen. In dem Schreiben kritisieren die Stadträte das Verhalten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die für den Mittelbereich Schopfheim einen Versorgungsgrad von 103 Prozent ermittelt habe. Diese „völlig falsche Einschätzung“ habe auch der Landessozialminister Manfred Lucha ohne Prüfung übernommen. Eigene Recherchen hätten ergeben, so Fremd und Merschhemke, dass es aktuell 4,5 Hausarztsitze in Schopfheim gebe. Dies entspreche 4222 Einwohner pro Arzt. Die Regel der KV gehe hingegen von 1671 Einwohnern pro Hausarzt aus. Die KV habe ihre falschen Berechnungen nicht korrigiert. „Der Missstand bleibt und wird immer größer“, schreiben Jürgen Fremd und Marianne Merschhemke dem Bundesminister. In ihren Augen ist die Berechnung der Ist-Situation in Schopfheim lediglich „Zahlenakrobatik fern jeder Wirklichkeit“. Schopfheim als Mittelbereich mit vielen ländlichen Bereichen zusammen zu berechnen, sei völlig falsch und führe zu „untragbaren Ergebnissen“. Um eine realistische Darstellung zu erreichen, würde es nach Auffassung der beiden Stadträte ausreichen, den Mittelbereich Schopfheim in zwei Unterbereiche (oberes und mittleres Wiesental) aufzuteilen. Dann stelle sich heraus, dass im oberen Wiesental mit 150 Prozent eine „deutliche Überversorgung“ im Vergleich zur Unterversorgung Schopfheim vorhanden sei.

Anträge bei der KV, eine bessere Aufteilung zu erreichen, seien bis zum heutigen Tag unbeantwortet geblieben, so Fremd und Merschhemke weiter. Die Absender fordern deshalb vom Bundesminister eine „zeitnahe und schnelle Reform“ der KV, eine „verlässliche Ärzteversorgung im ländlichen Raum und „nicht nur in den Großstädten“ und bitten Jens Spahn abschließend um eine Rückmeldung.