Stadtnachrichten

Neujahrsansprache Gersbach


Sehr geehrte Gersbacherinnen und Gersbacher,
sehr geehrte Gäste,


zum traditionellen Neujahrsempfang der Ortsverwaltung Gersbach darf ich Sie herzlich begrüßen. Ich begrüße hier in der Bergkopfhalle, die Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und Organisationen und natürlich Sie, die Bürgerinnen und Bürger.

Ihnen allen ein herzliches Willkommen.

Für die musikalische Einleitung haben heute die „Starters“ / Jugendorchester des Musikvereins Harmonie Gersbach unter der Leitung von Dirigent Markus Bolz gesorgt. Für die ersten einstimmenden Töne danke ich herzlich. Ich denke, dass die jungen Musikerinnen und Musiker einen zusätzlichen Applaus von uns allen verdient haben.

Der heutige Empfang steht unter dem Motto: „Gersbach bewegt“. Das ist ein Motto, das ganz unterschiedlich verstanden werden kann.
Zunächst einmal kann damit gemeint sein, dass Gersbach uns bewegt, jeden einzelnen von uns, das die Themen dieses Dorfes uns auch emotional ansprechen. Wäre unser Gersbach etwas Abstraktes für uns, eine zu verwaltende Einheit, etwas neutrales, kaltes, unpersönliches, dann hätten wir eigentlich schon verloren. Dass es Menschen gibt, die Gersbach bewegt, die von diesem Dorf emotional angesprochen, berührt werden, das ist positiv.

Gersbach bewegt – ich finde: das ist gut so.
 
Gemeint sein könnte damit aber auch, dass Gersbach sich bewegt, sich entwickelt, sich verändert. Vieles verändert sich in unserem Dorf, wichtige Weichen für die Zukunft müssen gestellt werden. Nicht alle Veränderungen werden von allen positiv beurteilt. Es gibt Dinge, die wir anpacken müssen, manchmal auch gegen Widerstände.

Zu guter Letzt kann mit „Gersbach bewegt“ auch gemeint sein, dass Gersbach die Gemüter bewegt, sich Diskussionen entwickeln, dass man hitzig debattiert und redet. Dass es Meinungen gibt, Wahrheiten, Halbwahrheiten und manchmal auch Unwahrheiten, über die man spricht und redet.

Lassen Sie mich zunächst einen kurzen Blick zurück werfen.

Beginnen möchte ich mit der Erschließung der 8 neuen Bauplätze im Neubaugebiet Bergkopf, diese kurz vor Jahresende noch fertiggestellt werden konnte und somit auch wieder in Gersbach bewegt passt. Mit dieser Realisierung wollen wir auf uns Aufmerksam machen, und das machen wir. Schon während der Erschließungsarbeiten haben wir einige Anfragen von kaufwilligen Mitbürgern erhalten. Diese nahmen nochmals nach Bekanntgabe der Fertigstellung zu. Derzeit haben wir in Absprache mit der Bauverwaltung 3 Platzreservierungen vorgenommen. Hier gilt mein Dank an den Gemeinderat und die Stadtverwaltung für die Zustimmung der notwendigen Finanzmittel.

Dann geschah Anfang Mai etwas, was es noch nie in Gersbach gegeben hat. Unser schöner Maibaum wurde von auswärtigen umgesägt. Leider ging hierdurch auch eine Sachbeschädigung hervor, aber, Sie können es sich vorstellen, dass die „jungen“ Gersbacher dies nicht auf sich ruhen ließen.
 
Bewegt hat sich im vergangenen Mai eine ganze Menge im Bereich der Politik. Vor allem haben SIE liebe Gersbacherinnen und Gersbacher bei der Kommunalwahl für Bewegung gesorgt. Sie haben mitentscheiden, welche politischen Kräfte in den nächsten fünf Jahren in Gersbach aber auch in Schopfheim die Richtung angeben werden.
Ich hoffe, und da vertraue ich auch den Wählerinnen und Wählern, dass nicht Effekthascherei, verdrehte Fakten oder leere Versprechungen Früchte tragen, sondern ernsthafte politische Arbeit, die sich auch vor einem offenen Wort nicht scheut. Jedem nach dem Mund zu reden ist einfach, aber eine Meinung zu haben und auch gegen Widerstände zu vertreten ist ungleich schwerer.
Eine gute Balance zwischen Kontinuität und neuen Perspektiven zu entwickeln, wird eine ganz, ganz wichtige Aufgabe für 2015 und die folgenden Jahre sein.

Die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag unserer Feuerwehr im Juli waren ein weiteres bewegendes Ereignis. Hier nochmals den Dank an die Kameradinnen/Kameraden der Feuerwehr, und Kommandant Roland Blum für den reibungslosen Ablauf.

Während den Sommerferien konnten wir dank vieler wieder ein tolles, attraktives uns abwechslungsreiches Kinderferienprogramm zusammenstellen und anbieten.

Im Herbst hatten wir an verschiedenen Tagen Fernsehteams vom Südwestfunk in Gersbach.

Bei den ersten Aufnahmen drehte es sich um den Nachbau einer Lunette bei unserer Barockschanze.
 
Bei diesen Filmaufnahmen haben wir auch wieder gemeinsam einiges bewegt. Stellvertretend möchte ich hier die Jugendfeuerwehr und zwei Personen nennen, und meinen herzlichen Dank aussprechen. Werner Störk, der mit seinem Wissen unheimlich viel Positives beigetragen hat. Und meinen krankheitsbedingt abwesenden Stellvertreter Manfred Deiss, der in meiner urlaubsbedingten Abwesenheit einen tollen Job gemacht hat.

Ein anderes Fernsehteam hat sich dem Bärenmuseum und den weiteren Sehenswürdigkeiten unseres Dorfes gewidmet.
Ich freue mich heute schon, auf die verschiedenen Beiträge im Fernsehen.

Erwähnen möchte ich aber auch noch die „heimlichen“ Dreharbeiten von Gusty Hufschmid, der mit seinen Team den Schopfheim Film erarbeitet hat. Ich kann allen nur empfehlen, diesen wunderbaren Film zu erwerben, da nicht nur Gersbach oft darin vorkommt, sondern die ganze Stadt mit ihren Ortsteilen. Der Film kann in der Chäs Chuchi erworben werden.

Es gilt Gersbach weiter für die Zukunft zu rüsten. Der demografische Wandel ist hier die bestimmende Kraft und dabei, alle Lebensbereiche zu verändern.
Die Qualität des Wohnstandorts Gersbachs ist DIE Schicksalsfrage für die nächsten Jahrzehnte. Auch hier bewegt sich viel in unserem Dorf. Das ist übrigens kein wissenschaftliches Thema sondern eine Kernfrage für uns alle hier Anwesende.

Kurzum: Die Sicherung der Einwohnerzahl ist zugleich die Sicherung von Lebensqualität.

Nicht irgendeiner Lebensqualität sondern Ihrer, meiner, unserer Lebensqualität.
Vielleicht fragen sich jetzt gerade einige, wie kann und werde ich in Gersbach in 20 Jahren wohnen können, dies braucht wirklich eine gute Antwort. Daran arbeiten wir in den kommenden Monaten und Jahren.

Was meine ich damit?
Was bedeutet das für Gersbach?

Fragen, die ich mir stelle, sind zum Beispiel:

Wie können wir den Erhalt des Rathauses und der Ortsverwaltung sicherstellen?
Werden wir genug Kinder haben, um den Kindergarten, vor allem aber die Grundschule im Ort zu halten?
 
Wie sichern wir die Gaststätten und unseren Dorfladen vor Ort?
 
Wie bleiben wir so attraktiv, dass die Jungen im Ort bleiben?
 
Wie können wir die zunehmende Zahl der Senioren begleiten und wie helfen wir den Angehörigen, wenn in der Familie Pflegebedürftigkeit eintritt?
 
Und nicht zuletzt, wie kann Gersbach der Vorzeigeteilort von Schopfheim bleiben?

Wir waren als Gesellschaft noch nie in der Situation, dass es mehr Alte als Junge geben wird. Erfahrung hat damit keiner. Wir werden uns dieser Situation also gemeinsam stellen müssen, in dem Wissen, dass wir nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ vorgehen werden. Dies ist das Prinzip, wie wir Menschen lernen. Wir machen Fehler und lernen daraus.
Wichtig für mich ist, dass wir dies bewusst und gemeinsam angehen, um anschließend nicht im Zustand gegenseitiger Vorwürfe zu verharren. Deshalb haben wir, wie in der vergangenen Ortschaftsrat Sitzung das Projekt „Wir für Gersbach“ vorgestellt und gestartet.
 
Dort haben wir Arbeitskreise mit den uns erscheinenden wichtigsten Gruppen gebildet und werden diese nun sukzessive angehen. In diesen Arbeitskreisen werden Sie – liebe Gersbacherinnen und Gersbacher - die Möglichkeit haben, sich mit Ihrem Wissen einzubringen. Und hierfür möchte ich heute auch nochmals werben. Bitte bringen Sie sich ein, denn wir tun es für uns. Sie sehen, die Ortsverwaltung möchte Ihnen die Möglichkeit geben, sich einbringen zu können. Jede Meinung ist uns wichtig. Hierbei ist es elementar, dass Sie uns Ihr Wissen zur Verfügung stellen, egal ob Sie Bedenken, Erfahrung, Hoffnung, Verhaltenheit oder Überschwang mitbringen. Es zählt deshalb auch jedes Alter! Mitreden und mitdenken kann hier jeder. Es geht um unser Dorf und seine Zukunft!

Lassen Sie sich einladen, gemeinsam um diese Zukunft zu ringen.

Zur Lebensqualität gehört auch die funktionierende medizinische Versorgung. Und hier bin froh, dass wir noch einen Landarzt im Dorf haben. Die Frage ist aber nur wie lange noch?
Ich will, dass die Gersbacher und Gersbacherinnen hier in unserem Dorf ein entsprechendes ländliches leistungsfähiges Angebot finden.
Ich will, dass kranke Menschen in unserem Dorf optimal versorgt werden und sich nicht in Krankenhäusern in anderen Städten behandeln lassen müssen.
Ich bin sicher, dass auch Sie ganz fest wollen, dass Ihre Bekannten, Ihre Verwandten hier in Gersbach bestens versorgt und behandelt werden, denn die Nähe von Freunden und Verwandten kann Leid mildern und Genesung fördern.
Kranke und alte Menschen schickt man nicht weg, sie brauchen Nähe und Heimat.
 
Für mich gehört der Schwerpunkt der ärztlichen Versorgung für den Bereich Wiesental nach Schopfheim. Schopfheim darf hier nicht zum „Beutegebiet“ der umliegenden Städte werden. Eine zeitgemäße Krankenversorgung und ein breit aufgestelltes Krankenhaus sind unverzichtbar, aus Sicht der Menschen und aus der Sicht der Wirtschaftlichkeit.
Um das zu sichern, muss noch manches bewegt werden. Das müssen wir gemeinsam tun.
Leider gibt es in diesem Punkt in der Gesellschaft immer noch heftige und strittige Diskussionen. Wenn die Diskussionen aber im Ergebnis dazu führen, dass es in Schopfheim kein entsprechendes Angebot gibt und andere die Leistung anbieten, dann haben wir alles, aber wirklich alles falsch gemacht.  
Hier tut wirklich Bewegung Not, Bewegung aufeinander zu und die Erarbeitung eines gemeinsamen Konzeptes.

Bewegt waren auch die Gemüter bei vielen Themen in Sachen Biosphärengebiet, Windkraft und Flurneuordnung um nur einige „große“ zu nennen. Sorge bereitet mir auch, die derzeit schlechte Breitbandanbindung. Wir sind dort in der glücklichen Situation, dass die Telekom kurz vor Jahreswechsel noch mit der Verlegung eines Lehrrohres von Zell/Riedichen bis zu unserem Dorfeingang realisiert hat. Jetzt müssen nur noch zeitnah die Glasfaserkabel eingelegt werden. Ob und wie wir dann besser versorgt sind, kann ich ihnen noch nicht im Detail sagen, bin aber guter Dinge, da das Thema Breitbandversorgung seitens des Kreises endlich forciert wird.

Bei allen Diskussionen sollte man sich aber auf Tatsachen und auf wirkliches Wissen um die Dinge beziehen, nicht auf das, was der eine oder andere als Tatsache hinstellt. Gerede wird nicht dadurch wahrer, dass es laufend ohne echtes Wissen wiederholt wird.
Wer etwas weiß, der sollte es sagen, wer aber nur meint etwas zu wissen, weil andere ihm angebliches Wissen zugetragen haben, hat auch die Alternative zu schweigen.

Aber neben den großen Themen, neben den Diskussionen um Strukturen und Politik gibt es Menschen, die etwas bewegen.
Ich danke deshalb allen, die sich in irgendeiner Weise in unserem Dorf sei es bei den Grünanlagen, Kirche, Vereine oder sonstigen Organisationen einbringen. Sie alle tragen mit dazu bei, dass jedes „einzelne Zahnrad“ dieses Engagements das Gesamtbild „ Gersbach bewegt“ ergibt.

Ein Dank möchte ich auch unseren Landfrauen um ihre Vorständin Anita Blum übermitteln, da Sie sich schon traditionell, für die Dekoration und den Service beim Neujahrsempfang verbunden fühlen.

Auch gilt ein weiterer Dank meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ortsverwaltung und dem Ortschaftsrat.

Zu Letzt danke ich allen Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung für die gute, offene und meistens konstruktive Zusammenarbeit.

Dies war nur ein kleiner Streifzug durch das vergangene und neue Jahr  -  aus meiner Sicht. Sicher gibt es noch viele andere Ereignisse, die Sie persönlich als die Wesentlichen betrachten, denn am Ende liegt die Bewertung bei jedem Einzelnen selbst.

Mögen Sie an die guten Zeiten mit Freude denken, aus den schlechten lernen, im Heute leben und das Morgen willkommen heißen.
In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und unserem Gersbach, ein erfolgreiches, gesundes und glückliches Jahr 2015

Christian Walter
Ortsvorsteher